Es ist ein Moment für die Geschichtsbücher: Erstmals überhaupt erspielt sich ein deutsches Floorball-Nationalteam eine Medaille bei einer Weltmeisterschaft. Bei der 3v3 World Floorball Championship (WFC) im spanischen San Lorenzo de El Escorial sicherte sich die deutsche Herrenmannschaft einen sensationellen dritten Platz – und schrieb damit ein Stück Verbandsgeschichte.

Der Weg zur WM: über die Deutsche Meisterschaft

Möglich wurde die Teilnahme über die Deutsche Kleinfeld-Meisterschaft 2025. Floorball Deutschland hatte dem jeweiligen Titelträger ein Vorrecht auf die WM-Teilnahme eingeräumt. So qualifizierten sich der TSC Wellingsbüttel bei den Herren und die Floor Fighter Chemnitz bei den Damen als amtierende Deutsche Meister für die 3v3-Weltmeisterschaft.

Beide Teams haben die Organisation ihrer Teilnahme überwiegend in Eigenregie gestemmt. Da die Veranstaltung derzeit nicht durch den Bund gefördert wird, verfügt Floorball Deutschland nur über begrenzte Mittel, um die Teams finanziell zu unterstützen. Die Mannschaften durften jedoch das Material der Nationalteams nutzen und sich beim Verbandspartner Unihoc zu vergünstigten Konditionen mit zusätzlicher Ausrüstung versorgen. Auf organisatorischer Ebene unterstützte die Geschäftsstelle im Austausch mit der IFF.

Getragen wurde der Erfolg bei den Herren von einem Team, das fast vollständig beim TSC Wellingsbüttel ausgebildet wurde. Komplettiert wurde der Kader von Philipp Wilbrand (ETV) sowie Elias Ender, der seit einigen Jahren ebenfalls für den TSC aufläuft.

Ungeschlagen durch die Gruppenphase

Schon in der Vorrunde ließ die Mannschaft keine Zweifel an ihren Ambitionen aufkommen und blieb ungeschlagen. Beim 6:2 gegen Kanada legte Frederic Thiele früh vor, Kilian Meyberg glänzte als Vorlagengeber, und Elias Ender steuerte einen Treffer bei. Auch gegen Italien (5:2) zeigte das Team seine ganze Offensivkraft – unter anderem trafen Niklas Fiemel, Philipp Wilbrand und Frederic Thiele.

In der K.-o.-Phase ging es Schlag auf Schlag: Gegen Gastgeber Spanien setzte sich Deutschland in einem packenden Krimi mit 5:4 durch, bei dem Philipp Wilbrand und Niklas Fiemel mehrfach trafen.

Drama im Halbfinale

Gegen Lettland fiel die Entscheidung erst im Penaltyschießen. Nach einem auf Augenhöhe geführten Spiel und langem Nervenduell behielten die Letten mit 4:3 nach Penaltys hauchdünn die Oberhand. Ein Spiel auf Messers Schneide, in dem die deutsche Mannschaft bis zur letzten Sekunde dagegenhielt und sich erst im allerletzten Moment geschlagen geben musste.

Bronze im Herzschlagfinale gegen die Schweiz

Im Spiel um Platz drei wartete mit der Schweiz der amtierende 3v3-Weltmeister von 2025 – ein echter Gradmesser. In einer hochintensiven, hart umkämpften Partie behielt das deutsche Team mit 7:6 die Oberhand und sicherte sich damit den ersehnten Platz auf dem Podium. Ein Krimi bis zum Schlusspfiff, der mit purem Jubel endete.

Meyberg im All-Star-Team

Eine ganz besondere Ehrung wurde Torhüter Kilian Meyberg zuteil: Der Goalie wurde ins All-Star-Team des Turniers gewählt – eine verdiente Auszeichnung für überragende Leistungen zwischen den Pfosten und ein weiteres Ausrufezeichen auf dieser historischen Reise.

Auch die Damen mit starkem Auftritt

Für den deutschen Floorball war es nicht nur bei den Herren ein Turnier zum Mitfiebern. Auch die deutsche Damenmannschaft – qualifiziert über den Titel die Floor Fighter Chemnitz – stellte sich in Spanien einem starken Teilnehmerfeld. Die Gruppenphase verlief mit Niederlagen gegen Lettland (3:17), Thailand (2:13) und Frankreich (3:6) zunächst lehrreich und fordernd. Doch das Team zeigte Charakter und steigerte sich in der entscheidenden Phase deutlich: In den Play-offs entführten die Damen zunächst in einem packenden Penalty-Krimi gegen Österreich den Sieg mit 7:6 und revanchierten sich anschließend eindrucksvoll gegen Frankreich, das man diesmal mit 3:1 bezwang. Im letzten Spiel gegen die Ukraine war beim 5:8 schließlich Endstation. Über das gesamte Turnier bewiesen die Damen Moral, Teamgeist und eine bemerkenswerte Entwicklung – ein Auftritt, der Lust auf mehr macht.

Ein Projekt mit Herzblut – in Eigenregie

Was diesen Erfolg umso bemerkenswerter macht: Beide Teams haben dieses Vorhaben weitgehend selbst organisiert und durchgezogen. Allen voran haben bei den Herren Spartenleitung Ariane Wende und Trainer Max Holtgraefe in den vergangenen Monaten unzählige Stunden investiert und dafür gesorgt, dass das Team auf und neben dem Feld professionell auftreten und FD vertreten kann.

Dass dahinter ein klarer Plan und absolute Entschlossenheit standen, bringt Max Holtgraefe auf den Punkt:

„Wir besorgen nicht Ausrüstung für über 10.000 Euro, um ohne Medaille nach Hause zu kommen. Das Trikot wurde in Anlehnung an das 2012er Trikot designt, um Geschichte zu schreiben. Ob daran geglaubt oder nicht – aber vorbereitet waren wir auf ein Sommermärchen.“

Und genau dieses Sommermärchen ist Wirklichkeit geworden.

Ausblick: Der Weg nach Hannover

Der dritte Platz unterstreicht eindrucksvoll das Potenzial des deutschen Floorballs und macht Lust auf die kommenden Herausforderungen. Mit dem neuen Qualifikationsmodus besteht künftig die Möglichkeit, sich über die Finals in Hannover am 25. und 26. Juli direkt für die nächste 3v3 WFC zu qualifizieren.

Auch das Event selbst hinterließ einen rundum positiven Eindruck. Die besondere Atmosphäre und das innovative Format bergen großes Potenzial für die Zukunft. Es bleibt spannend zu beobachten, wie sich das Turnier weiterentwickelt und wie viele Nationen bei der nächsten Austragung im Jahr 2027 begrüßt werden dürfen.

Als Bundesverband sind wir unglaublich stolz auf beide Teams. Ihr habt Geschichte geschrieben – herzlichen Glückwunsch zur ersten WM-Medaille im deutschen Floorball!

Photos by Pedro Muñoz Martín