Neues Regelwerk SPRGK 2026
Ab dem 1. Juli 2026 tritt die neue Ausgabe der Regeln Floorball Großfeld / Kleinfeld (SPRGK ab 2026). Die Änderungen sind das Ergebnis eines umfassenden internationalen Entwicklungsprozesses, der bereits Anfang 2024 mit einem Aufruf an alle nationalen Verbände begann. Ziel der neuen Regeln: mehr Sicherheit, mehr Spielfluss, mehr Attraktivität – und ein professionelleres Erscheinungsbild des Sports auf allen Ebenen. Die endgültige Entscheidung traf das IFF Central Board am 11. Dezember 2025. Drei Themenbereiche standen dabei im Mittelpunkt: die Sicherheit der Torhüter, die Spielattraktivität und -intensität sowie das Spielklima und die Außenwirkung des Floorballs. Mehr Schutz für Torhüter Kollisionen im Torraum nehmen zu – und sie enden zunehmend mit ernsthaften Verletzungen, darunter auch Gehirnerschütterungen. Da Torhüter im Knieen spielen und körperlichem Kontakt kaum ausweichen können, waren sie nach dem bisherigen Regelwerk nicht ausreichend geschützt. Das ändert sich nun grundlegend. Drei konkrete Regelanpassungen stärken den Schutz im Torraum: der unvorsichtige Körpereinsatz wird neu definiert: Ein angreifender Spieler, der keine angemessene Anstrengung unternimmt, eine Kollision mit dem Torhüter im Torraum zu vermeiden, begeht künftig ein Vergehen – unabhängig davon, ob tatsächlich Kontakt entsteht. Die Verantwortung liegt damit klar beim Feldspieler. Durchlaufen des Schutzraums gilt nun ausdrücklich als Vergehen. Der Torraum gehört ausschließlich dem Torhüter – ein Feldspieler darf ihn weder betreten noch durchqueren, ohne eine Strafe zu riskieren. Die Linien des Schutzraums sind dabei eingeschlossen. aktives Sichtblockieren sanktioniert: Wer den Torhüter wiederholt und gezielt verfolgt, ohne am Ball orientiert zu sein – einzig mit der Absicht, dessen Sicht zu beeinträchtigen – begeht ein Stürmerfoul. Spielattraktivität und Intensität Halten klarer definiert Halten gehört zu den größten Spielfluss-Bremsen im Floorball. Das neue Regelwerk präzisiert, was als Halten gilt: Dazu zählt jede Situation, in der ein Spieler seinen Arm oder seine Hand einsetzt, um einen Gegner festzuhalten, zu ziehen, zu zerren oder ihn körperlich an der freien Bewegung zu hindern – und dadurch einen erheblichen Vorteil erlangt. Auch das Abwehren des gegnerischen Stocks mit der Hand, ohne ihn zu greifen, fällt künftig darunter. Entscheidend für die Wirksamkeit dieser Änderung wird eine konsequente und einheitliche Umsetzung durch gut geschulte Schiedsrichter sein. Penaltyschießen: Mehr Drama, neue Helden Das Format des Penaltyschießens wird modernisiert. Weiterhin führen zunächst fünf verschiedene Feldspieler je einen Penalty aus. Danach jedoch entfällt die starre Reihenfolge: Ab dem sechsten Schuss darf jeder Spieler antreten – auch mehrfach hintereinander. Das schafft die Möglichkeit für dramatische Entscheidungen und unvergessliche Momente. Zugleich wird der Prozess vor dem Schießen beschleunigt: Die schriftliche Meldung der Schützen an die Schiedsrichter entfällt. Ebenfalls neu geregelt ist die Ausführung selbst: Der Penalty startet künftig nicht mehr auf dem Mittelpunkt, sondern von einem gedachten Punkt, der 5 Meter von der Mittellinie entfernt liegt – mittig zwischen den langen Banden. Das verkürzt die Anlaufzeit und bringt das Spiel schneller zur Aktion. Zudem ist der sogenannte Zorro-Move ausdrücklich verboten: Ein Ball, der unbeweglich auf der Schaufel liegt und während des Penaltys mehr als einmal die Richtung in der Luft ändert, führt zur Wiederholung. Torhüter dürfen Tore erzielen Was im 3-gegen-3 bereits erlaubt ist, gilt nun auch im 5-gegen-5: Ein Torhüter darf ein reguläres Tor erzielen – auch wenn der Ball nach dem Wurf zunächst Gegner, Mitspieler oder Ausrüstung berührt. Ein seltenes Ereignis – aber eines, das für Aufsehen sorgt. Gleichzeitige Strafen: Schluss mit taktischen Foulspiel-Kalkülen Bisher konnten Teams bewusst Auseinandersetzungen provozieren, um 4-gegen-4 zu spielen oder die Unterzahl-Situation taktisch zu steuern. Das wird künftig unattraktiv: Gleichzeitige Strafen gegen beide Teams beeinflussen die Spielerzahl auf dem Feld nicht mehr. Die Strafen werden paarweise zugeordnet und wie persönliche Strafen behandelt – sie laufen, werden aber durch erzielte Tore nicht beeinflusst. Ergänzend dazu wird eine neue Instigator-Strafe eingeführt: Wer eine Auseinandersetzung provoziert, riskiert zusätzlich zur regulären Strafe eine kleine Bankstrafe. Die Schiedsrichter entscheiden dabei, wer als Initiator gilt. Ziel ist, dass Verstöße endlich Konsequenzen haben – und Floorball gespielt wird statt gerangelt. Technisches Tor bei Torhüterersatz Neu eingeführt wird das technische Tor: Spielt ein Team ohne Torhüter und unterbricht ein Feldspieler des verteidigenden Teams dabei eine ansonsten sichere Torchance durch ein Vergehen, das normalerweise zu einem Penalty führen würde, erkennen die Schiedsrichter direkt ein Tor. Das behebt eine offensichtliche Ungerechtigkeit, bei der eine nahezu hundertprozentige Torchance zugunsten des fehlbaren Teams durch einen Penalty mit deutlich geringerer Wahrscheinlichkeit ersetzt wurde. Spielklima und Wechselzone Spieler sitzen – Betreuer bleiben zurück Eine der weitreichendsten Änderungen betrifft das Verhalten in der Wechselzone. Bisher ist Floorball eine der wenigen großen Sportarten ohne klare Regeln für das Verhalten auf der Bank. Die Folgen sind bekannt: stehende Spieler blockieren die Sicht für Zeitnehmung, Zuschauer und Livestream-Übertragungen, Körperteile und Schläger ragen über die Bande, und eine hektische Bankatmosphäre beeinflusst das Spielklima – besonders in Jugendspielen. Das ändert sich grundlegend: Spieler in der Wechselzone müssen auf der Spielerbank sitzen. Aufstehen ist nur im Zusammenhang mit einem Wechsel oder aus eindeutig notwendigen Gründen erlaubt – etwa um einen neuen Stock zu holen, die Toilette aufzusuchen oder eine Verletzungsbehandlung zu erhalten. Wer mit einem Fuß auf die Bande tritt oder anderweitig die vertikale Ebene der Bande überschreitet, erhält eine kleine Bankstrafe – unabhängig davon, ob das Spiel dadurch beeinflusst wird. Für Betreuer gilt: Sie müssen hinter der Spielerbank stehen. Jeweils ein Betreuer darf sich vor die Spielerbank bewegen, um taktische Anweisungen an Spieler auf dem Feld zu geben. Das Stehen auf erhöhten Positionen – etwa Stühlen oder Bänken – ist verboten. Schiedsrichter können Ausnahmen zulassen, wenn die räumlichen Verhältnisse in der Halle es erfordern. Diese Regelung wurde in Schweden bereits in den Saisons 2024/25 und 2025/26 vollständig getestet. Das Ergebnis: positive Rückmeldungen, schnelle Anpassung der Teams und ein ruhigeres, professionelleres Spielklima. Rote Karte auch nach dem Spiel Schiedsrichter erhalten künftig das Mandat, disziplinarische Maßnahmen auch nach dem Abpfiff zu ergreifen, solange sich Schiedsrichter, Spieler oder Teamoffizielle noch auf dem Spielfeld befinden. Vergehen, die in diesem Zeitraum begangen werden und während des Spiels zu einer Matchstrafe geführt hätten, werden entsprechend geahndet – inklusive Roter Karte und Spielbericht. Das beruhigt Konfliktsituationen nach dem Schlusspfiff und gibt dem Schiedsrichter ein klares Werkzeug an die Hand. Betreuer bei Matchstrafe: direkt in die Kabine Bisher durften gesperrte Betreuer das Spiel von der Tribüne aus weiterverfolgen – und teils auch weitercoachen. Das gehört der Vergangenheit an: Ein Betreuer, gegen den eine persönliche Strafe ausgesprochen wird, muss sofort die Kabine aufsuchen und darf nicht weiter am Spiel teilnehmen. Ausrüstung: Klarere Regeln für Torhüter und Spieler Die Schutzausrüstung von Torhütern wird stärker reglementiert. Übergroße Kleidung, doppelte Schutzschichten und Schulterpolster, die die Schulterlinie verbreitern, sind künftig verboten. Alle Reißverschlüsse, Taschen, Riemen und Klettverschlüsse müssen geschlossen und festgezogen sein. Die Ausrüstung muss körpernah geformt sein und darf nicht mehr Fläche abdecken als der Körper des Torhüters. Für alle Spieler gilt neu: Schmuck ist verboten – ohne Ausnahme. Uhren, Halsketten, Ringe, Armbänder, Ohrringe, Leder- und Gummibänder müssen entfernt werden. Das Abkleben ist ausdrücklich nicht erlaubt. Schiedsrichter sind angehalten, die Spieler aktiv zu kontrollieren. Ebenfalls präzisiert: die Manipulation an der Schläger-Kelle. Schleifen, Schmelzen oder jede andere Veränderung der Blattstruktur ist verboten. Damit werden sogenannte „Zorro-Taschen“ und ähnliche Modifikationen klar untersagt. Was bedeutet das für Schiedsrichter in Deutschland? Der FD wird die neuen Regeln rechtzeitig vor dem Inkrafttreten am 1. Juli 2026 in die Schiedsrichterausbildung und -fortbildung integrieren. Einige Änderungen – insbesondere die neuen Regelungen zum Halten und zur Wechselzone – erfordern eine konsequente und einheitliche Umsetzung, um die gewünschte Wirkung zu entfalten. Schulungsmaterialien der IFF werden nach der offiziellen Veröffentlichung des vollständigen Regelwerks bereitgestellt. Fragen zum neuen Regelwerk können an die Schiedsrichterkommission FD unter rsk@floorball.de gerichtet werden.